Minus 5,8 Milliarden Euro: Volkswagen verfünffacht Verlust im dritten Quartal
Die Krise bei Volkswagen verschärft sich: Der Automobilkonzern hat im dritten Quartal einen Verlust von 5,82 Milliarden Euro gemacht und sein Minus vom Vorjahreszeitraum damit mehr als verfünffacht. Der Umsatz sank im Vorjahresvergleich um 6,3 Prozent auf 75,3 Milliarden Euro, der Absatz von 2,2 Millionen Fahrzeugen auf 1,88 Millionen, wie VW am Donnerstag mitteilte. Das China-Geschäft der Wolfsburger brach um 40 Prozent ein.
VW-Finanzvorstand Arno Antlitz hob die Erfolge beim Verkauf von E-Autos hervor. "Bei der Elektromobilität in Europa sind wir führend. 40 Prozent unseres Auftragsbestandes sind Elektrofahrzeuge", sagte er in einer Videobotschaft. "Aber der Erfolg geht auch zulasten unserer Finanzergebnisse." Bei E-Autos sind die Gewinnmargen deutlich niedriger, unter anderem weil der wichtigste Posten in der Wertschöpfungskette - die Batterie - häufig von Zulieferern bezogen wird.
Mit Elektroautos verdiene VW heute noch weniger als mit Verbrennern, sagte Antlitz. "Bei den anderen Elektrofahrzeugen aus den deutschen Werken ist das noch im größeren Umfang der Fall." Deshalb müssten die Kosten sinken. "Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen schnell und entschlossen handeln."
In den ersten neun Monaten des Jahres schrumpfte das VW-Betriebsergebnis - der Gewinn vor Zinsen und Steuern - von 5,4 Milliarden Euro auf 0,1 Milliarden Euro, wie Volkswagen weiter mitteilte. Hier kamen Sondereffekte zum Tragen, insbesondere eine Abschreibung von Porsche-Firmenwerten in Höhe von 6,4 Milliarden Euro sowie Abschreibungen in China von rund einer Milliarde Euro.
Auch ohne diese Sondereffekte liege die Rendite nur bei 3,8 Prozent, führte Finanzvorstand Antlitz aus. "Von 100 Euro Umsatz bleiben damit weniger als 4 Euro Gewinn. Das reicht langfristig nicht aus." Er verwies auf den Zukunftsplan genannten Sparplan, mit dem Volkswagen rund 31 Milliarden Euro Kosten einsparen will.
Der Aufsichtsrat hatte Anfang September beschlossen, in den kommenden Jahren weltweit weitere 50.000 Stellen zu streichen - zusätzlich zu dem bereits vereinbarten Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen. Zudem stehen vier Werke in Deutschland ab 2031 bis 2034 auf der Kippe.
Eine weitere wichtige Baustelle ist China, wo das Geschäft auch anderen deutschen Autoherstellern massive Schwierigkeiten bereitet. Die Konsumstimmung im größten Automarkt der Welt ist weiterhin schlecht, zugleich kommen deutsche E-Autos im Vergleich zu deutlich günstigeren chinesischen Modellen kaum an.
VW-China-Chef Ralf Brandstätter will nun stärker auf den Export setzten. Bis 2030 sollen mindestens 300.000 in China produzierte Fahrzeuge pro Jahr ausgeführt werden, erklärte er am Mittwoch im VW-Entwicklungszentrum in Hefei in der östlichen Provinz Anhui. Die Autos sollen in asiatische Länder exportiert werden und erstmals auch nach Südamerika - nach Europa aber laut Brandstätter vorerst nicht.
Volkswagen hatte 2023 in Hefei sein größtes Forschungs- und Entwicklungszentrum außerhalb Deutschlands eröffnet. Dort werden auf den chinesischen Markt zugeschnittene Autos produziert. In dem Zentrum arbeiten rund 3000 chinesische Beschäftigte und 200 aus dem Ausland. Die Entwicklungen in China machten Volkswagen weltweit wettbewerbsfähiger, betonte Brandstätter. Die in China entwickelten Technologien seien mittlerweile "ein Innovationsmotor für den gesamten Konzern".
Dem "Handelsblatt" sagte der Manager, China sei "keine Wachstumsmaschine mehr". Bis 2030 könnte der Konzern dort nur noch rund 2,2 Millionen Autos jährlich verkaufen. Zu Spitzenzeiten verkaufte der VW-Konzern noch mehr als vier Millionen Autos in China.
J.Simon--PS