Trotz Boom: Fußballerinnen erwägen vorzeitiges Karriereende
Trotz der aktuellen Entwicklung im internationalen Fußball der Frauen erwägen viele Spielerinnen aus finanziellen und mentalen Gründen ein vorzeitiges Karriereende. Das geht aus einer Umfrage der Spielergewerkschaft FIFPRO hervor. Demnach gaben 49 Prozent der 791 Teilnehmerinnen an, einen frühzeitigen Rücktritt aus dem Sport in Betracht zu ziehen.
Als Gründe nannten die Spielerinnen dabei am häufigsten finanzielle Ursachen (59 Prozent) und psychologischen Stress (46 Prozent). Laut Bericht der FIFPRO hat sich das inflationsbereinigte durchschnittliche Monatsgehalt bei den Vereinen dank des Umsatzwachstums in Ligen wie der National Women's Soccer League (NWSL) in den USA im Vergleich zu 2017 auf 2601 US-Dollar verdreifacht, der Median des Einkommens liegt jedoch mit 1669 US-Dollar deutlich darunter.
"Die Professionalisierung des Frauenfußballs schreitet in einigen Teilen der Welt immer schneller voran", die Einnahmen würden steigen, sagte Alex Culvin, Direktorin für Frauenfußball bei der FIFPRO: "Allerdings sind die Fortschritte und Vorteile nicht gleichmäßig auf die Spielerinnen weltweit verteilt." Abgesehen von den finanziell am besten ausgestatteten Vereinen gebe es "immer wieder Fälle von prekären und unsicheren Bedingungen".
Es müsse gewisse "Mindeststandards" geben, die in die Arbeitsverträge der Spielerinnen aufgenommen werden, hieß es in einer FIFPRO-Mitteilung. Demnach würden nur acht der 30 im Bericht analysierten nationalen Ligen über einen Tarifvertrag, der die Arbeitsbedingungen regelt, verfügen.
Des Weiteren forderte die Spielergewerkschaft "eine obligatorische psychologische Betreuung" für die Athletinnen und nannte beispielhaft die NWSL. Dort würden Fachkräfte für psychische Gesundheit bei allen Vereinen eingebunden sein und ein Anspruch auf sechs Monate Urlaub aus psychischen Gründen bestehen. In der Studie gaben 57 Prozent der befragten Spielerinnen an, mit psychischen Problemen zu kämpfen, die Hälfte erhielt nach eigenen Angaben keine Unterstützung durch die jeweiligen Vereine.
Einen Fortschritt verzeichnet die Studie unter anderem im Bereich Mutterschutz. Die von der FIFPRO ausgearbeiteten und ausgehandelten Regeln wurden 2021 von der FIFA eingeführt. Seit der letzten großen Umfrage 2017 sei der Anteil der Spielerinnen, die erwägen, den Sport aufzugeben, um eine Familie zu gründen, von 47 Prozent auf 19 Prozent gesunken.
S.Denis--PS