Frachter nach Drohnenvorfall im Schwarzen Meer gesunken - ein Toter
Nach einem Drohnenvorfall im Schwarzen Meer ist ein Frachter vor der rumänischen Küste gesunken. Ein Besatzungsmitglied kam dabei ums Leben, drei weitere wurden am Freitag noch vermisst, wie das rumänische Innenministerium mitteilte. Rumäniens Präsident Nicusor Dan machte Russland für den Vorfall verantwortlich.
Der unter der Flagge der Komoren fahrende Frachter "Khoryv" hatte am Freitag gegen 10.00 Uhr Ortszeit ein Notsignal gesendet, als er sich rund 13 Seemeilen vor dem rumänischen Hafen Konstanza befand. Er befand sich damit außerhalb der rumänischen Hoheitsgewässer.
Nach Angaben von Präsident Dan wurde das Schiff von einer Drohne getroffen und sank. Die rumänische Seebehörde hatte die Ursache des Vorfalls zunächst nicht genannt.
An Bord der "Khoryv" befanden sich nach rumänischen Behördenangaben zehn ukrainische und drei aserbaidschanische Besatzungsmitglieder. Ein anderes Handelsschiff konnte laut Innenministerium zehn Menschen aus dem Wasser bergen, neun von ihnen lebend. Drei Seeleute wurden weiterhin gesucht. Wegen schlechten Wetters und geringer Sichtweite war ein Rettungseinsatz mit Hubschraubern nach Angaben der rumänischen Seebehörde nicht möglich.
Präsident Dan bezeichnete den Vorfall als "ganz klar Teil der Eskalation, die Russland im Kontext des Krieges in der Ukraine betreibt". Rumäniens Regierungschef Luca Niculescu verurteilte den Angriff als "inakzeptabel" und sprach von einem eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht. Außenminister Dan Neculaescu sah darin eine unmittelbare Bedrohung für die regionale und internationale Sicherheit.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte im Onlinedienst X, sie sei "zutiefst alarmiert über eine weitere russische Eskalation im Schwarzen Meer". Derartige "rücksichtslose Angriffe" gefährdeten unschuldige Menschenleben und verstießen offen gegen das Völkerrecht.
In den vergangenen Wochen waren bereits mehrere Handelsschiffe vor den Küsten der Nato-Mitgliedstaaten Rumänien und Bulgarien von Drohnen angegriffen worden. Am 15. Oktober wurden sieben Besatzungsmitglieder des Chemikalientankers "Wine Trader" vermisst, nachdem das Schiff vor Rumänien bei einem Drohnenangriff in Brand geraten war. Am vergangenen Wochenende schossen rumänische Kampfjets zudem zwei russische Drohnen über dem Schwarzen Meer ab.
Rumänien hatte die Nato wegen der zunehmenden Angriffe um zusätzliche Ausrüstung gebeten. Das Bündnis kündigte am Dienstag an, weitere Flugzeuge, Drohnen und Radarsysteme im Schwarzen Meer zu stationieren. Nach einer Sitzung des obersten nationalen Verteidigungsrats erklärte die rumänische Präsidentschaft am Donnerstag, die Bedrohungen für die Schifffahrt und kritische Infrastruktur hätten erheblich zugenommen. Geprüft würden ein Ausbau der Seeüberwachung sowie bessere Abwehrmöglichkeiten gegen Minen und Drohnen.
Die türkische Handelskammer für Seefahrt hatte im August mitgeteilt, dass seit Beginn des Ukraine-Kriegs 226 zivile Schiffe und Handelsschiffe im Schwarzen Meer angegriffen worden seien, die meisten davon in diesem Jahr.
G.Perrin--PS