Chinas oberster Außenpolitiker nennt US-Reaktion auf Ballon "hysterisch"
Der oberste chinesische Außenpolitiker Wang Yi hat den USA vorgeworfen, die Affäre um den im US-Luftraum abgeschossenen mutmaßlichen chinesischen Spionageballon unnötig aufzubauschen und "hysterisch" und "lächerlich" zu reagieren. Bei einem Treffen mit dem pakistanischen Außenminister Bilawal Bhutto Zardari im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz sagte Wang dem chinesischen Außenministerium zufolge am Samstag, die USA hätten in dem Fall "grundlegende Fakten ignoriert, übermäßige Gewalt angewendet und die Situation aufgebauscht."
Statt den "Unfall" professionell und ruhig zu handhaben, zeige die "fast schon hysterische Aktion das absurde Ausmaß an Vorurteilen und Ignoranz der USA gegenüber China", sagte Wang demnach. Wang, der von 2013 bis 2022 chinesischer Außenminister war, forderte die USA auf, "Ernsthaftigkeit bei der Aufklärung der Angelegenheit zu zeigen" und auf innenpolitisch begründeten "lächerlichem Unsinn" aufzuhören.
Der tagelange Überflug des mutmaßlichen chinesischen Spionageballons über die USA hatte zu einem Eklat zwischen Washington und Peking geführt. US-Außenminister Blinken hatte wegen der Affäre einen geplanten Besuch in China kurzfristig abgesagt. Ein US-Kampfjet schoss den Ballon schließlich am 4. Februar über dem Meer ab. Das US-Militär barg im Anschluss Trümmerteile, die nun untersucht werden.
Politbüro-Mitglied Wang wiederholte am Samstag laut dem chinesischen Außenministerium gegenüber Zardari, der Ballon sei vom Kurs abgekommen und durch höhere Gewalt in den US-Luftraum geraten. Peking bezeichnet den Ballon als Wetterballon und weist Spionagevorwürfe zurück.
Seit dem Abschuss des Ballons haben die USA drei weitere verdächtige Flugobjekte vom Himmel geholt. Genaueres zu diesen drei Objekten, die bislang nicht geborgen werden konnten, ist noch nicht bekannt.
Am Freitag war Wang am Rande der Sicherheitskonferenz auch zu Gesprächen mit Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) zusammengekommen.
L.Lefevre--PS